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2019-07-19 14:09:02

Wie oft ist die Geschichte erzählt worden! Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 mit zwei Sprengsätzen in der Aktentasche zur Lagebesprechung ins Führerhauptquartier Wolfsschanze nahe Rastenburg in Ostpreußen fliegt. Die Detonation unter dem schweren Kartentisch, die Hitler nur leicht verletzt. Das blutige Ende im Innenhof des Bendlerblocks in Berlin, wo Stauffenberg gemeinsam mit einigen seiner engsten Mitverschwörer noch am selben Tag um Mitternacht erschossen wird.

© Hulton-Deutsch Collection/Corbis/Getty ImagesClaus Schenk von Stauffenberg: Eine ferne WeltWiderstand im Nationalsozialismus: Keine Bürde. Aber eine AufgabeAdels-Autobiographien: Hüter des Grals

75 Jahre später ist dieser Innenhof ein nüchterner Ort. Besucher überqueren ihn, am Ehrenmal für die Ermordeten vorbei, auf dem Weg zur Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, die hinter der kasernenartigen Fassade des einstigen Allgemeinen Heeresamtes ihren Sitz hat. Am 19. Juli wird in ihren Räumen eine Sonderschau eröffnet. Nicht über das Attentat selbst, sondern über die Debatte in den ersten zehn Jahren danach, als von Männern wie Stauffenberg, Ludwig Beck, Carl Goerdeler und anderen noch als Verrätern die Rede war, ehe sich, zunächst verdruckst, ein ehrendes Gedenken etablierte. Wie ein Leitspruch steht auf einer Tafel ein Satz des ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss: Das Vermächtnis ist noch in Wirksamkeit . Daran, könnte man meinen, besteht im Jahr 2019 kein Zweifel mehr.

Doch ist zum 75. Jahrestag ein neuer Streit entbrannt, ausgelöst durch die im März erschienene Stauffenberg-Biografie des Publizisten Thomas Karlauf. Die heftigen Reaktionen darauf – nicht zuletzt in dieser Zeitung – zeugten von der Sorge, der 20. Juli könnte durchaus um seine Wirksamkeit gebracht werden. Stauffenbergs Enkelin Sophie von Bechtolsheim befürchtete gar, Karlauf ruiniere das Ansehen ihres Großvaters, so wie es die Ewiggestrigen nach 1945 versucht hatten.

Inzwischen liegt ein eigenes Buch von ihr vor. Stauffenberg. Mein Großvater war kein Attentäter heißt es – was nur zu deutlich Karlaufs Titel Stauffenberg. Porträt eines Attentäters aufnimmt und dessen Kernthese umkehrt. Den Militär Stauffenberg, schreibt Karlauf, habe weniger sein Gewissen getrieben als soldatisches Verantwortungsgefühl, glühender Nationalismus und ein von den esoterischen Ideen des Dichters Stefan George inspiriertes Ethos der Tat . Nein, widerspricht Sophie von Bechtolsheim, das Leben ihres Großvaters lasse sich nicht auf die Tat , auf das Attentat verkürzen. Was unterscheide ihn sonst von einem Terroristen?

Um neue Fakten dreht sich die Debatte nicht. Stauffenbergs Faible für George, die Tatsache, dass er den Nationalsozialismus zunächst begrüßt hatte und dass er, der am Ende zu den entschlossensten Hitler-Gegnern zählte, vergleichsweise spät zum Widerstand fand: Das alles liegt längst offen zutage. Doch genügten offenbar ein paar steile Formulierungen, um einen Streit zu provozieren, der seinerseits einem eingespielten Reiz-Reaktions-Schema folgt: hier die Historiker und Autoren, die der Gedenkformel vom Aufstand des Gewissens kritische Fragen nach den Beweggründen und der politischen Ideenwelt der Verschwörer entgegensetzen. Dort jene, die darin den versuchten Denkmalsturz und erneute Diffamierung wittern.

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 30/2019. Hier können Sie ab 17 Uhr die gesamte Ausgabe lesen.

Nichts Neues also? So kann man es sehen. Und doch bleibt die Frage: Warum tun sich die Deutschen mit dem Widerstand so schwer? Und warum schlagen gerade jetzt die Emotionen so hoch?

Vielleicht, weil über die Distanz von 75 Jahren zwangsläufig etwas verloren geht: die lebendige Erinnerung. Nicht zufällig lässt die Enkelin Sophie von Bechtolsheim in ihrem Buch die Erzählungen ihrer 2006 verstorbenen Großmutter Nina Stauffenberg noch einmal aufleben und beschwört damit einen unmittelbaren familiären Erinnerungszusammenhang, den es nicht mehr gibt. Überall verblasst die NS-Geschichte im Familiengedächtnis. Die dabei waren, sterben oder sind längst tot. Die Vergangenheit gehört nun – ja, wem? Den Historikern? Oder jedem, der sie sich nimmt?

Unter anderem haben die neuen Rechten den Widerstand für sich entdeckt, seit einer Weile schon. Nie aber stellten sie sich so dreist in seine Tradition wie zurzeit. Stauffenberg ist für sie einer der Ihren, ein Mann, der den Ideen der Konservativen Revolution nahestand, auf die sie sich so gern beziehen. In Halle an der Saale werden in diesem Jahr die rechtsextremen Identitären zum 20. Juli aufmarschieren.


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